Netzwerk Prekäres Praktikum

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Stellungnahme

am 23.04.2020

#dauerhaftsystemrelevant

Eine Fachkräftekampagne des DBSH

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Soziale Arbeit während der Corona Pandemie – Who cares?

Als der Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) appellieren wir an Medienverantwortliche, die Gruppe der systemrelevanten Berufe vollständig darzustellen und über die Soziale Arbeit und die Situation der Fachkräfte zu berichten.

• Ohne Soziale Arbeit ist unser soziales Netz nicht stabil

• Für Sozialarbeiter*innen ist und bleibt sozialer Abstand keine Option

• Soziale Arbeit ist dauerhaft systemrelevant 1

Im Zuge der Berichterstattung zur aktuellen Pandemie sind Care-Berufsgruppen in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. In diesem Zusammenhang werden einige Berufsgruppen neuerdings als systemrelevant bezeichnet. Ihnen werden Dank und Anerkennung ausgesprochen – sei es in Zeitungsartikeln oder durch Applaus von den Balkonen. Auch über ihre Arbeitsbedingungen, ihr niedriges Gehalt und die schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen Mitarbeitende besonders während der aktuellen Situation zu kämpfen haben, wird berichtet. In erster Linie geht es dabei um medizinisches Personal und Berufsgruppen, die zum Beispiel unsere Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen.

Über die öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung für die Mitarbeitenden in diesen Bereichen freuen wir uns sehr. Wir solidarisieren uns mit ihren Forderungen: diese Berufsgruppen verdienen Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit!

1 Systemrelevanz bedeutet für die Soziale Arbeit nicht nur das Gesellschaftssystem in seiner aktuellen Form aufrecht zu erhalten, sondern es auch dahingehend zu verändern, dass Inklusion und die Umsetzung der Menschenrechte in allen Bereichen der Gesellschaft möglich werden. Diese Veränderung kann nur durch Kritik am System erfolgen. Deswegen meint Systemrelevanz gleichzeitig auch Systemkritik und -veränderung.

Stellungnahme am 23.04.2020

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Ohne Soziale Arbeit ist unser soziales Netz nicht stabil

Soziale Arbeit ist im öffentlichen Diskurs bisher weitestgehend unsichtbar, dabei teilt sie mit den anderen systemrelevanten Care-Berufsgruppen ähnliche strukturelle Schwierigkeiten. Auch hier hat die fortschreitende Ökonomisierung zu gravierenden Missständen geführt. Auf die chronische Unterbesetzung, die fehlenden (materiellen) Ressourcen und die schlechte Entlohnung der überwiegend weiblichen* Fachkräfte wurde schon vor der Pandemie-Krise durch uns, den DBSH, aufmerksam gemacht. In Krisenzeiten ist der Arbeitseinsatz nun noch höher, doch die Mittel sind gering und werden darüber hinaus aktuell sogar in einigen Bereichen reduziert.

Derzeit jonglieren Fachkräfte zwischen Online-Möglichkeiten, physischen Kontakten und soweit es geht dem Einhalten der Hygienemaßnahmen. Schutzkleidung ist für Sozialarbeitende zurzeit (April 2020) in den meisten Handlungsfeldern nicht zugänglich, genauso wie selbstverständlicher Zugang zu Corona-Tests. Häufig sind auch weder Diensthandys noch Dienst-Laptops vorhanden, wodurch sich professionelles Arbeiten zu Zeiten der Corona-Pandemie in vielen Bereichen nahezu unmöglich darstellt.

Besonders brisant ist die Situation in stationären Einrichtungen, z.B. in der Kinder- und Jugendhilfe, der Wohnungslosenhilfe oder der Arbeit mit Geflüchteten. Was passiert, wenn diese Einrichtungen unter Quarantäne gestellt werden? Jetzt braucht es tragfähige Pandemie-Konzepte, die „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ als Prämisse und als oberste Priorität setzen!

Für Sozialarbeiter*innen ist und bleibt sozialer Abstand keine Option

Hinzu kommt, dass die derzeitige Situation und die damit verbundenen Maßnahmen drastisch den Lebensalltag der Adressat*innen Sozialer Arbeit belasten. Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen und die Aufrufe #stayathome und #wirbleibenzuhause betreffen unsere gesamte Gesellschaft, aber nicht alle gleichermaßen hart. Der Rückzug ins “Zuhause” ist für einige Menschen gar nicht möglich. Für andere ist das Zuhause kein Schutzort, sondern lebensbedrohlich.

Stellungnahme am 23.04.2020

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Massenunterbringungen sind nun problematischer denn je, und äußerst prekäre Wohnverhältnisse müssen jetzt verändert werden! Bereits bestehende Notlagen verschärfen sich aktuell massiv, wie die bereits unzureichenden Kapazitäten in Notunterkünften für wohnungslose Menschen, die nun größtenteils wegfallen. Auch ist die drastische Zunahme von häuslicher Gewalt zu beobachten und die teilweise starke Isolation bspw. von Senior*innen und Menschen mit Behinderungen. Dies muss aktuell weitestgehend von Sozialarbeitenden aufgefangen und abgewendet werden. Damit alle die Zeit gut überstehen können, müssen schnellstmöglich Schutzorte geschaffen werden, an denen existenzielle Grundbedürfnisse sowie Zugänge zur gesellschaftlichen Teilhabe und Ressourcen (z. B. Bildung, Internet) umgehend gesichert werden können.

Soziale Arbeit ist #dauerhaftsystemrelevant

Intern sind Sozialarbeiter*innen in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern längst als systemrelevant eingestuft. Schon zu Beginn der Pandemie haben ihre Träger ihnen vorsorglich Passierscheine ausgegeben, um im Falle einer Ausgangssperre noch zur Arbeit kommen zu können. Die Politik hat einige Handlungsfelder als systemrelevant eingestuft. Die strukturellen Missstände innerhalb der Sozialen Arbeit sowie die Relevanz dieser Berufsgruppe insgesamt werden von der Öffentlichkeit jedoch auch jetzt in der Krise größtenteils übersehen. Soziale Arbeit ist dauerhaft systemrelevant – aber aktuell unsichtbar.

Unsere Forderung: Hinsehen!

Wir appellieren an Medienverantwortliche, die Gruppe der systemrelevanten Berufe vollständig darzustellen und auch über die Soziale Arbeit und die Situation der Fachkräfte zu berichten. Gerne vermitteln wir dafür Kontakte an Fachkräfte, um die Perspektive aus der Praxis in die Berichterstattung mit einzubringen. Ihre Presseanfrage beantworten wir gerne unter presse@dauerhaft-systemrelevant.de.