Netzwerk Prekäres Praktikum

Studierende Sozialer Arbeit finanzieren ihren Lebensunterhalt an erster Stelle durch Nebentätigkeit/Erwerbsarbeit. Während des Praxissemesters müssen Studierende diese weitestgehend reduzieren oder ganz aufgeben.
Das Praxissemester wird jedoch nur in wenigen Fällen vergütet und wenn überhaupt zu großen Teilen nur mit Aufwandsentschädigungen von durchschnittlich 200 €.

Dem Netzwerk sind zudem Fälle bekannt in denen lediglich die Fahrkarte für den ÖPNV erstattet werden. Ohne die finanzielle Unterstützung durch BAföG-Leistungen oder das Elternhaus finden sich Studierende in sehr prekären Lebenslagen wieder. Diese können sich durch
zusätzliche familiäre Sorgearbeiten oder durch die Situation ausgelöste psychische Belastungen noch verschärfen.

Eine bundeseinheitliche Vergütung des Praxissemesters würde zu einer Ent-Prekarisierung führen, sodass Studierende sich auf Ihre Ausbildung fokussieren können, ohne selbst Existenzängsten ausgesetzt zu sein.

Studierende, welche sich bisher durch Leistungen des BAföG und einen Nebenjob finanziert haben, sind in der Praxisphase dem erhöhten Risiko einer prekären Lebenslage ausgesetzt, wenn sie eine Praktikumsvergütung
erhalten. Denn diese wird bei einem Pflichtpraktikum gem. §23 Abs.3 BAföG stets und in voller Höhe auf den Bedarf des Auszubildenden angerechnet.
Zudem werden Studierenden bei einer Praktikumsvergütung, abweichend von der gesetzlichen Regel und der restlichen Studienzeit, keine Freibeträge gewährt.

Damit Studierende überhaupt die Chance bekommen, das
Existenzminimum zu erreichen, sollten (geringfügige) Vergütungen innerhalb der Praxisphase so lange nicht auf Ansprüche des BAföG angerechnet werden, wie dieses unterschritten wird.

Studierende dürfen nicht als günstige Fachkräfte betrachtet werden, sondern als Lernende, denen der Raum und die Anleitung zur Verfügung gestellt werden muss. Hierzu müssen Träger der Sozialen Arbeit beitragen, indem sie die Verantwortung für eine qualifizierte Ausbildung der
Anleitungen übernehmen. Wir schließen uns in weiten Teilen den Empfehlungen zur Praxisanleitung von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisreferate an (Fach-) Hochschule für Soziale Arbeit (BAGPrax) an.

So sollte die Praxisanleitung innerhalb des Praxissemesters selbst eine staatlich anerkannte Sozial Arbeiter:in sein, über ausreichend Berufserfahrung verfügen und entsprechende Zeitressourcen zur Verfügung haben. Die Praxisanleitung innerhalb des Praxissemesters hat die Aufgabe gemeinsam mit Studierenden die Lernziele festzulegen, regelmäßige Reflexionsgespräche zu führen und trägt zum großen Teil der
beruflichen Weiterbildung Studierender bei.

Die Praxisphase des Studiums trägt entscheidend zum Erhalt der staatlichen Anerkennung als Professions- und Qualitätsmerkmal bei, deshalb muss dieser praktische Anteil der Ausbildung nach qualifizierten Standards erfolgen und sich in der Praxisanleitung widerspiegeln.

Die Praxisanleitung stellt innerhalb der Praxisphase ein zentrales Element hinsichtlich des Qualifikationserfolges dar. Qualifizierte und qualitative Praxisanleitung kann nur durch entsprechende strukturelle Rahmenbedingungen erfolgen.

Dies muss daher in der Personalplanung, Personalentwicklung und in den Rahmenvertragsverhandlungen berücksichtigt werden.

Soziale Dienstleistungen obliegen dem sog. sozialrechtlichen Dreiecksverhältnis zwischen Bürger:innen, öffentlichen und freien Trägern. Wenngleich die gesetzliche Gesamtverantwortung der Leistungserbringung in öffentlicher Hand liegt, werden soziale Dienstleistungen überwiegend von freien Trägern erbracht. Grundlage hierfür sind u.a. öffentlich-rechtliche Verträge.


Als Voraussetzung zum Abschluss eben dieser Verträge und kommunaler Zuschüsse muss eine angemessene Vergütung der Studierenden im Praxissemester bestehen.

Vor allem durch diese Maßnahme kann die Kommune als Verantwortungsträger dazu beitragen eine flächendeckende und angemessene Vergütung von Praktikant:innen bei freien Trägern zu gewährleisten.
Freie Träger, die eine angemessene Vergütung aus vorhandenen Eigenmitteln nicht finanzieren können, müssen von der jeweiligen Kommune hierbei unterstützt werden.

Du möchtest aktiv für diese Forderungen einstehen und etwas an der Situation ändern?